40 Jahre DHB-Pokalsieg des MTSV Schwabing

Wenn aus ehemaligen Handballern plötzlich wieder eine Mannschaft wird

München, 2026 – 40 Jahre ist es her.
1986 holte der MTSV Schwabing als erste Münchner Mannschaft den DHB-Pokal – und schrieb damit ein Stück Münchner Handballgeschichte. Vier Jahrzehnte später war es höchste Zeit, die damaligen Helden, Mitstreiter und Funktionäre wieder zusammenzubringen.

Natürlich stellte sich dabei zunächst die wichtigste Frage: Erkennt man sich nach 40 Jahren überhaupt noch? Die Antwort lautete nach wenigen Minuten eindeutig: Ja – zumindest die Stimmen waren noch dieselben. Und auch die Geschichten wurden erstaunlicherweise mit jedem Erzählen nicht kürzer, sondern länger.

v.l.: Beli Radjenovic, Uli Roth, Michael Sahm und Jochen Gruppe nach dem Pokalsieg in der Kabine der Rudi-Sedlmeier-Halle aka BMW Park

 

Weißwurst statt Mannschaftsbesprechung

Zum Auftakt traf man sich zum zünftigen Weißwurstfrühstück. Früher wurden hier wahrscheinlich Spielzüge, Abwehrvarianten und der nächste Gegner diskutiert – diesmal ging es eher um die Frage, wer eigentlich wann wie viele Weißwürste essen darf.

Die Stimmung war jedenfalls sofort bestens. Alte Geschichten wurden ausgegraben, Anekdoten aus der Pokalsaison zum Besten gegeben und natürlich wurde auch die eine oder andere sportliche Leistung von damals noch einmal „leicht korrigiert“.

40 Jahre später weiß schließlich jeder noch ganz genau, wer damals den entscheidenden Pass gespielt hat.

Nur bei der Frage, wer eigentlich dafür verantwortlich war, dass der Ball nicht im Tor landete, wurde es plötzlich erstaunlich still

v.l.: Andreas Dörhöfer, Klaus Reindl, Jochen Gruppe, Rudi „Ameise“ Dobler, Christoph Ernesti, Günther Weigl, Uli Roth und Karl Heller beim gemeinsamen Weißwurstfrühstück

 

Vom Handball zum Boule – Hauptsache Ball

Nach der kulinarischen Aufwärmrunde ging es in den Hofgarten. Dort stand mit dem Boulespiel die nächste sportliche Herausforderung auf dem Programm.

Ein Ball war also wieder im Spiel – allerdings deutlich kleiner und wesentlich langsamer als vor 40 Jahren.

Die einstigen Handballer bewiesen schnell, dass jahrelange sportliche Erfahrung auch beim Boule nicht ganz nutzlos ist. Es wurde konzentriert geworfen, gemessen, diskutiert und selbstverständlich auch die eine oder andere Entscheidung des Gegners kritisch hinterfragt.

Kurz gesagt: Der Kampfgeist von 1986 war wieder da.
Nur die Laufwege waren deutlich kürzer.

Und während früher Schnelligkeit, Sprungkraft und Kondition gefragt waren, zählte nun vor allem eines: strategisches Geschick – und ein möglichst ruhiger Wurf.

v.l.: Karl Heller, Uli Roth, Andreas Dörhöfer, Christoph Ernesti, Jochen Grupe, Wolfgang Sinzinger, Robert Baumann, Ameise Dobler, Robert Kofler und Udo Böbel im Hofgarten vor dem Diana-Tempel

 

Heimspiel im Münchner Rathaus

Anschließend ging es mitten hinein ins Herz der Stadt: ins Münchner Rathaus.

Dank Stadtrat Armin Gastl bekam die Gruppe eine besondere Führung durch das Rathaus und durfte anschließend sogar den berühmten Rathausbalkon besuchen, der bereits vor 40 Jahren Schauplatz einer heiteren Episode war. Beim damaligen Besuch des Balkons anläßlich des Pokalsieges nahm kaum einer der Menschen auf dem Marienplatz Notiz von der Mannschaft dort oben, stattdessen  bat ein Priester, der an der Mariensäule eine Messe abhielt, die feiernden Schwabinger nachdrücklich um Ruhe ?

Ein besonderer Moment – schließlich ist der Balkon normalerweise eher Politikern, Fußballern und großen Feierlichkeiten vorbehalten. Diesmal durften sich dort endlich mal richtige Sportler – die ehemaligen Pokalsieger und ihre Weggefährten – tummeln.

Ganz herzlichen Dank nochmal an dieser Stelle auch noch einmal an Stadtrat Armin Gastl, der diese tolle Führung und dieses außerordentliche Erlebnis erst möglich gemacht hat.

Karl Heller, Uli Roth und Jochen Grupe im großen Sitzungssaal des Münchner Rathauses auf den Stühlen des OB und seiner beiden Stellvertreter.

Unzählige Bundesligaspiele und -Tore, über 250 Länderspiele und über 400 Länderspieltore sowie ein Olympia-Silbermedaillengewinner auf dem Rathausbalkon v.l.: Robert Kofler, Christoph Ernesti, Andreas Dörhöfer, Stadtrat Armin Gastl, Jochen Grupe und Uli Roth auf dem Balkon des Münchner Rathauses

 

Und natürlich: Das Finale in der „Rennbahn“

Nach Weißwürsten, Boule, Rathaus und Rathausbalkon war eines klar:

Ein solcher Tag muss würdig enden.

Also ging es zum Abschluss in die „Rennbahn“, bereits früher Schauplatz zahlreicher „guter Gespräche“ und netter Anekdoten.

Dort konnte der Tag in angemessener Weise ausklingen – mit Erfrischungen, weiteren Geschichten und vermutlich der einen oder anderen Erinnerung, die im Laufe des Abends plötzlich wieder ganz anders klang als am Morgen.

Schließlich gehört es zu einem ordentlichen Klassentreffen ehemaliger Sportler, dass man sich irgendwann fragt:

„Weißt du noch damals …?“

Und selbstverständlich weiß es jeder noch.

Zumindest ungefähr.

Erfreulicherweise stieß am Abend überraschend auch noch der frühere Torwart Michael Redl unter großem Hurrah zur Truppe.

Das Treffen fand auch im Gedenken an die dieses Jahr verstorbenen Fredy Zlattinger (Spieler) und Josip „Cos“ Milkovic (Trainer) statt.

Leider nicht teilnehmen konnten Jörg Büßecker, Bernd Timm, Beli Radjenovic, Toni Stangl und Michael Sahm.